Geschichtsspuren - Teil 6 | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Die Sagen über das Schloss/die Burg bei Neuburg

Geschichtsspuren - Teil 6

Auf dem Berge bei dem Dorfe Neuburg hat vor Zeiten ein Schloss gestanden. Einmal hütete ein Schäfer am Johannistag auf dem Schlossberge seine Herde. Als die Glocke in Neuburg 12 Uhr Mittag schlug, stand plötzlich das Schloss ganz und neu vor ihm. Aus dem Tore kamen uralte Weiber mit sprenkelkrummem Rücken heraus und Männer, denen der weiße Bart bis auf die Schultern hinabreichte. Alle schauten auf die Landstraße nach Wismar hin; aber es war niemand da zu sehen.

Da riefen sie klagend:

„Wedder sünd hen hundert Johr

Äwers de Prinzeß is nich dor“.

Dann kehrten sie zur Burg zurück; die Tore fielen zu und das Schloss versank in die Erde.

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Auf dem Berge soll früher eine Raubritterburg gestanden haben. Der Raubritter brachte die Tochter des Edelmanns auf Steinhausen in seine Gewalt und warf sie, da sie ihm nicht zu Willen sein wollte, in den tiefsten Kerker, wo sie bald starb. Der Vater nahm Rache durch Zerstörung der Burg. Der Schatz des Räubers, darunter eine goldene Wiege, die vom Teufel bewacht wird, liegt noch in dem Berge. Ein Schäfer, der ein Neujahrskind, das heißt in der Neujahrsnacht zwischen 12 und 1 Uhr geboren war und daher Geister sehen konnte, sah oft abends im Sommer einen Mann in altfränkischer Kleidung mit einem Schlüsselbund am Gürtel und einer Laterne in der Hand vorbeieilen und in der Ferne verschwinden. Einmal redete er ihn an, bekam aber keine Antwort. Da sagte er: „Guter Freund, so möge Dir denn unser lieber Herrgott helfen und gnädig sein!“. Da sprach der alte Mann: „Du hast mich erlöst! Ich war Gefangenenwärter auf der Neuburg und zur Strafe dafür, dass ich das unschuldige Fräulein nicht erhörte, sondern statt aller Hilfe sie auf den Teufel verwies, musste ich nach meinem Tode hier wandern bis mich ein Mensch erlöst, wie Du es getan hast.“ Damit war er verschwunden und wurde nicht wieder gesehen.

Der Schäfer aber starb bald darauf.