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Namen die keiner mehr nennt

Offizielle Straßenbezeichnungen gab es in Neuburg bis Anfang der 1970-iger Jahre nicht. Dennoch wurden markante Wege und Plätze namentlich genannt: „Neuendorfer Weg“, „Gänsemarkt“, „Kirchsteig“ (der Fuß- und Radweg hinter dem heutigen Wohngebiet „Am Kirchsteig“ - früher Clasenscher Hof, später Grögerscher Hof). Andere alte Bezeichnungen sind verschwunden: „Am Brink“ (heute „An der Katenhufe“), „Fischersoll“ (Teich am Hageböker Weg) und „Langer Jammer“- der größere Teil des heutigen „Lindenweg“, beginnend mit Haus Nr. 3 (re. Seite) / Haus Nr. 4 (li. Seite) in Richtung Lischow. Dieser Weg gehört zum historischen Ortskern Neuburgs und hatte überregionale Bedeutung, weil er Teil des Anfang des 18. Jahrhunderts ausgebauten Postweges Rostock via Steinbogenbrücke nach Wismar und Lübeck war. Mit dem Bau der Bahnstrecke Wismar - Rostock (Haltepunkt in Neuburg seit 1883) und dem Ausbau der Chaussee (heute B 105) Rostock - Wismar Anfang des 20. Jahrhunderts verlor er an Bedeutung. Natürlich nicht für Neuburg und die Anwohner des „Langen Jammer“. Hier lebten und arbeiteten Büdner, Handwerker, Händler: Nr. 3 - Stellmacher, Nr. 4 - Elektriker, Nr. 6 – Post- und Fernmeldeamt (ca. ab Ende der 1920-iger Jahre bis 1979), Nr. 7 – Krämerladen (bis Anfang der 1960-iger Jahre). Ob beim Großbrand am 9. August 1886 auch Häuser am „Langen Jammer“ betroffen waren, ist nicht belegt. Die Häuser Nr. 3, 4, 5, 6, 7, 8, 11, 12 sind etwa Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut worden. Bis in die 1970-iger Jahre säumten beidseitig große alte Linden den Weg (daher der Name „Lindenweg“). Die Linden gibt es nicht mehr und den originellen Namen „Langer Jammer“ auch nicht. Das ist schade!

Autoren und Recherche: Marita Kanz und Kerstin Hübler (Ortschronistinnen)

Quellenangabe: - Chronik 800 Jahre Neuburg - Neuburger Einwohner

(M. Kuss, D. Woest, B. Baale, K. Losch, K.-O. Woest und M. Kanz)

Foto (alt): B. Baale

Foto (neu): M. Kanz